Pfarre Hausbrunn

Zur Wiederkehr des 200. Geburtstages

von Gottfried von Preyer
welcher in Hausbrunn am 15. März 1807 geboren wurde. Er starb am 9. Mai 1901 in Wien.

Wer zum ersten Mal nördlich von Wien entweder über die Brünner Strasse oder die Bernsteinstrasse in das nördliche Weinviertel fährt, der wird wahrscheinlich über die landschaftliche Eigenart und weinhügelige Schönheit erstaunt sein. Natürlich hat sich in den letzten Jahrzehnten in dieser Gegend sehr viel verändert. Die Bahnanschlüsse wurden fast bis auf die Hauptstrecken reduziert, die Landwirtschaft hat entsprechend reduzierende Massnahmen erfahren müssen. Die berühmte Zuckerfabrik in Hohenau schloss im Jahr 2005 die Pforten. Jedoch wirtschaftliches Interessensgebiet ist auch in neuerer Zeit der Weinbau und hat ihre Grundlage in den vielen Weinbauvereinen in zahlreichen Weinviertler Gemeinden. Die grossartige ländliche Kulturlandschaft mit ihren vielen geschichtsträchtigen Orten, wie z.B. Dürnkrut, weiters z.B. die berühmten Wallfahrtskirchen in Zistersdorf oder Maria Brünnl lassen uns ob der Vielfalt ins Staunen kommen. Wir wissen, das alles, was die Menschen in diesem Raum in den Jahrhunderten geschaffen haben, zum Grossteil mit harter, oft schwerer körperlicher Arbeit verbunden war; von Kriegshandlungen, von Hungersnöten und Krankheiten begleitet wurde. Die Landwirtschaft war und ist noch immer für den Wiener Raum von grösster Bedeutung. Die Ressourcen sind jedoch nicht mehr jene des 19. Jahrhunderts und der kontinuierliche örtlich gesehene wirtschaftliche Abstieg in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts trug auch viel zu der heutigen Struktur bei.
Alles, was früher an wirtschaftlichen Gegebenheiten in den Orten selbst geschah, egal, ob das die Lebensmittelproduktion, Milchwirtschaft, Obstbau, Feld- und Waldwirtschaft betraf, das alles war örtlich vorhanden und hat wesentlich die örtlichen Berufe, die Art der örtlichen Beschäftigungsverhältnisse und den Verkehr beeinflusst.
Jetzt, am Anfang des 21. Jahrhunderts, wird für die Zukunft eine Neuorientierung erforderlich sein.
Gottfried Preyer (er wurde erst später in den Adelsstand erhoben) hat im Rahmen seines Lebenswerkes starken Eindruck hinterlassen und uns nicht nur einen (lehr- ) reichen musikalischen Nachlass zur weiteren Kulturpflege überlassen, er hat sich vornehmlich für die Pflege der Kirchenmusik eingesetzt und ihr Wesen und ihren Auftrag in geistlicher und tiefgläubiger Hinsicht auch als Apostolat erkannt. Wie man aus den nachstehenden Auszügen aus verschiedenen Lexika ersehen kann, wurden bereits sehr viel geforscht und viele Berichte in früherer Zeit abgedruckt. Wir haben dadurch die Möglichkeit, aus diesen Medien einen kleinen Überblick über Gottfried von Preyer`s Leben und Werk zu erhalten.
Johannes Laubblätter – 2007.

Auszug aus dem Österreichischen Biographischen Lexikon
(inhaltlich unveränderter Originaltext inklusive Anmerkungen und Fussnoten):
„Preyer Gottfried von, Komponist, Dirigent und Musikpädagoge. * Hausbrunn (NÖ), 15. 3. 1807; + Wien, 9. 5. 1901. Erhielt schon als Kind von seinem Vater, dem Schullehrer und Regenschori Johann M. P. (1773-1850), Unterricht in Gesang, Klavier, Orgel und Violine, später von Pfarrer J. Bohunowsky in sämtlichen Blasinstrumenten. Er spielte bereits mit sieben Jahren Quartette von Haydn, Mozart und P. Rode und war als Zehnjähriger ein begehrter Organist bei kirchlichen Festen. 1822 bereitete er sich in Korneuburg auf das Lehrfach vor und kam 1823 nach erfolgreich abgelegter Prüfung nach Wien. 1828-34 stud. er bei Sechter Kompositionslehre, 1835-46 war er als Nachfolger Lachners Organist am Bethaus der evang. Gemeinde in Wien.
1839 wurde P. Prof. für Harmonielehre, Kontrapunkt und Komposition am Konservatorium der Ges. der Musikfreunde und übernahm gleichzeitig die Leitung der Übungen und Konzerte der Zöglinge. 1844-49 Dir. des Konservatoriums. 1841 erfolgte seine Ernennung zum Hoforganisten.
1844-76 war er Vizehofkapellmeister. 1853-1901 Domkapellmeister von St. Stephan. Ab
1845 unternahm er Stud.Reisen nach München, Paris, Brüssel und Mailand. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u.a. 1893 nob. Von P.s unzähligen Kompositionen sind zu seinen Lebzeiten nur wenige im Druck erschienen. In seinem Nachlaß befand sich eine wertvolle Bildersmlg., vorwiegend Arbeiten zeitgenöss. französ. Künstler. Gemäß seinem Testament wurde sein Vermögen zur Gründung eines Kinderspitals in Wien X. verwendet.
W.: 4 Requiem; 5 Te Deum; Messen; Noah (Oratorium); Hymnen und Responsorien nach griech.-kath. Ritus; Orgelwerke; Symphonien; Streichquartte; Lieder; etc. Opern: Walladmor; Die Freymannshöhle; Amaranth. L.: N. Fr. Pr. vom 10. 5. 1901 und 17. 3. 1908; RP vom 11. 5. 1901; Domcapellmeister G. v. P. +, in: Kirchenmusikal. Vjs. 16, 1901, S.58; Abert; Biograph. Jb.6, 1904; Eisenberg, 1893, 1; Fétis; Groner; Grove; Kosch, Das kath. Deutschland; Reissmann; Riemann; Schmidl; Wurzbach; F. S. Gaßner, Universal-Lex. der Tonkunst, bearb. und hrsg. von E. Bernsdorf, 3, 1861; Handlex. der Musik, hrsg. von F. Bremer (=Universal-Bibl. 1681/86), 1883; J. Schuberth`s Musikal. Conversations-Lex., 11.Aufl., hrdg. von E. Breslauer, 1890; E. Bernhauer, G. v. P. Sein Leben und Wirken mit themat. Kat. seiner Werke, phil. Diss. Wien, 1952; Th. Baker`s Biographical Dictionary of Musicians, 5. Aufl., bearb. von Nr. Slominsky, 1958. (Ch. Harten)“

Das österreichische Musiklexikon gibt uns folgende Auskunft
(inhaltlich unveränderter Originaltext inklusive Anmerkungen und Fussnoten):
„Preyer, Gottfried Freiherr von * 15.3.1807 Hausbrunn bei Mistelbach/NÖ, + 9.5.1901 Wien, Kapellmeister, Pädagoge, Komponist. Erhielt sehr früh eine musikalische Ausbildung auf versch. Instrumenten u. a. von seinem Vater, dem Lehrer und Regens chori Johann M. P. (1773-1850), war mit sieben Jahren als Quartettspieler, mit zehn Jahren als Organist in der Umgebung seines Heimatortes tätig und besuchte ab 1822 Schulen in Korneuburg/NÖ und Wien (Normalschule zu St. Anna, Wien I), P. war 1828-34 Kompositionsschüler von S. Sechter, 1835-46 Organist an der evanglischen Kirche in Wien, 1839-48 Prof. für Harmonielehre und Komposition am Konservatorium der GdM (1844-47 dessen Direktor), 1843 Hofopernkapellmeister, 1844 zunächst „überzähliger“, 1862-76 wirklicher Vizehofkapellmeister, 1846-62 Hoforganist, 1853-1901 Domkapellmeister an St. Stephan. Studienreisen hatten ihn ab 1845 nach München/D, Paris, Brüssel, und Mailand/I geführt. Als Komponist verfasste er über 600 (nur vereinzelt gedruckte) Kompositionen im Stil der alten strengen Schule. P. war auch Eigentümer einer Privatgalerie mit Werken bedeutender Maler (Hans Holbein, Rembrandt, Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck). In seinem Testament (er hinterließ 2 Millionen Goldkronen) verfügte P. die Errichtung eines Kinderspitales (erst 1915 eröffnet, während des Ersten Weltkrieges als Lazarett verwendet), das Ordensschwestern von der Kongregation der Dienerinnen vom Heiligsten Herzen Jesu leiteten (Kurator der Stiftung ist die Erzdiözese Wien).
G: P.gasse (Wien XIII); Ehrengrab (Wr. Zentralfriedhof, Grabdenkmal von Theodor Charlemont); G. v. P.`sches Kinderspital (Wien X). P: Nobilitierung 1893. W: Oratorium Noah; ca. 25 Messen: 4 Requiem-Vertonungen und weitere Kirchenmusikwerke; Hymnen der Orthodoxen orientalischen Kirche 1845-47; Opern (Walladmor; Freimannshöhle; Amarant); 2 Symphonien; Streichquartette; Orgel u. Klavierstücke; Lieder.
Lit: E. Bernhauer, G. v. P., Diss. Wien 1952 [mit WV]; Erhart 1998; Czeike 4 (1995); ÖBL 8 (1983); DBEM 1 (2003); Riemann 1929; R. v. Perger/R. Hirschfeld, Gesch. der k. k. Gd Min Wien 1912, 70; Köchel 1869; Eisenberg 1893; Wurzbach 23 (1872¸E. Hanslick, Gesch. des Concertwesens in Wien 1869; MGÖ 2 (1995).“

Textauszug aus der „Geschichte von Hausbrunn“ (inhaltlich unverändert).
„1901 Am 9. Mai verstirbt Gottfried von Preyer in Wien als lediger und vermögender Mann. Er hatte im Laufe seines Lebens viele Titel und Ehrungen erhalten – kaiserl. Rat, k.k. Vizehofkapellmeister i.P., Commandeurs des päpstl. Sylvester Ordens, Ritter des Franz Josef Ordens und des päpstl. Gregorius Ordens sowie Mitglied vieler Tonkünstler- und humanitärer Vereine. Am 21.1.1894 wird Gottfried v. Preyer in den Adelsstand erhoben. In seinem Nachlass hatte er festgelegt, dass aus seinem Vermögen ein Kinderspital errichtet werden soll. (Preyer`sches Kinderspital in 1100 Wien)“


Zusammenstellung der Textauszüge: Johannes Laubblätter – 2007.

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